Innsbruck Alpine Ultra
Michas Bericht zum @innsbruckalpine
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„Der Plan klang eigentlich vernünftig: entspannt anreisen, Startunterlagen holen, Beine hochlegen und Kräfte sparen. Die Realität sah beim Innsbruck Alpine Trail Festival etwas anders aus.
Schon am Vortag war die Anspannung spürbar. Der verpflichtende Equipment-Check war für mich neu und entsprechend groß war die Unsicherheit, ob wirklich alles passt. Dazu kam natürlich dieses typische Pre-Race-Gefühl irgendwo zwischen Vorfreude und Nervosität. Die Expo selbst war aber richtig gelungen: gute Stimmung, netter Food-Court, freundliche Helfer:innen und insgesamt eine entspannte Organisation.
Ganz stillhalten konnten wir trotzdem nicht. Nach einem Stadtbummel durch Innsbruck mit sehr gutem veganen Mittagessen ging es abends noch zur Leutaschklamm in der Nähe unserer Unterkunft. So standen am Ende schon über 20.000 Schritte auf der Uhr — absolute Profi-Vorbereitung natürlich.
Der Renntag begann früh. Sehr früh. Um vier Uhr morgens ging es von Leutasch zurück nach Innsbruck. Die Nacht war kurz, der Stress vom Vortag noch etwas in den Knochen, aber die Nervosität war überraschenderweise verschwunden. Im Startbereich dann noch ein letzter Equipment-Check, warten, durchatmen. Anne blieb bis zum Start bei mir. Dann fiel der Startschuss, ein letzter Kuss — und los ging’s.
Die ersten Kilometer führten direkt in die Berge der Nordkette oberhalb von Innsbruck. Mit jedem Höhenmeter wurde der Blick auf die Stadt beeindruckender und spätestens dort war klar, warum diese Veranstaltung so viele begeistert. Die ersten Verpflegungspunkte und Kilometer vergingen erstaunlich schnell. Kurz vor dem VP Bergisel wurde es entlang der Sill etwas technischer, aber alles noch gut laufbar.
Besonders schön war es, Anne unterwegs wieder zu sehen. Während ich einfach nur von VP zu VP denken musste, bedeutete der Tag für sie vor allem Organisation, Fahrerei und Warten in der Hitze. Am Bergisel stand sie und unsere beiden Feinis schon bereit, reichte mir neue Gels, motivierte mich weiter und schaffte es, mir für ein paar Minuten wieder richtig Energie zu geben. Ohne diese Unterstützung wäre der Tag definitiv deutlich härter geworden.
Bis Hall lief das Rennen ziemlich genau nach Plan. Danach wurde es langsam zäh. Die Beine legten gefühlt ihr erstes Veto ein, die Gels schmeckten plötzlich nach allem — nur nicht mehr nach etwas, das man freiwillig essen möchte — und die Strecke wurde zunehmend sonniger. Mit den 26 Grad am Nachmittag brannte die Sonne ordentlich auf die Trails.
Trotzdem war die Cutoff-Zeit nie wirklich ein Problem und irgendwann stand nur noch die letzte Schleife zurück Richtung Nordkette zwischen mir und dem Ziel. „Nur noch“ bedeutete allerdings auch: rund 12 Kilometer und nochmal etwa 700 Höhenmeter.
Vor allem bergab auf den technischen Downhills meldeten sich immer häufiger Krämpfe in den Beinen. Umso schöner war es zu merken, wie aufmerksam die anderen Läufer:innen unterwegs waren. Immer wieder kamen Nachfragen, ob alles passt. Einer drückte mir sogar noch Magnesium und Elotrans in die Hand — vermutlich die Rettung des Tages.
Richtig hart wurde es nochmal auf einem Singletrail, an dem mehrere Distanzen zusammenliefen und sich ein kleiner Stau bildete. Genau in dem Moment war Pause eigentlich das Letzte, was mein Kreislauf gebrauchen konnte. Da war der einzige Gedanke nur noch: Bring das Ding jetzt irgendwie nach Hause.
Und irgendwann war er dann plötzlich da: der Theaterplatz in Innsbruck und damit das Ziel. Nach 11:51:53 Stunden, 68,3 gelaufenen Kilometern und 2660 erklommenen Höhenmetern fiel mit dem Zieleinlauf die komplette Anspannung ab. Vor allem die Freude, direkt danach Anne wiederzusehen und gleichzeitig zu realisieren, gerade meinen ersten Ultra gefinisht zu haben, war schwer zu beschreiben.
Die Strecke war fordernd, stellenweise technisch, aber nie unfair. Die Verpflegungspunkte waren stark besetzt und das Angebot wirklich vielfältig. Vor allem aber bleibt ein Rennen in Erinnerung, das deutlich härter wurde als gedacht — und genau deshalb wahrscheinlich noch lange im Kopf bleiben wird.“